03 Mai 2007

Provinzpossen – Heute: Dresden

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Ein schlauer Mann aus Senftenberg sagte einmal “Dresden ist anders”. Meinte er das damals noch rein sportlich, so ist dieser Satz nun ein Synonym für Dresden und vor allem seine Politiker ….

So ziemlich jeder baut gern. Sogar jedes Kind. Ob nun im Sandkasten oder mit Lego sei mal dahingestellt.
In Dresden baut man auch gern. Schon immer. Schon unser Starker August hatte eine ausgedehnte Leidenschaft dafür. Ob Zwinger oder Residenzschloss – Hauptsache groß und bedeutend. Nicht zuletzt das brachte Dresden den Titel “Elbflorenz” ein. Viele Sachen folgten, worum uns so manche Metropole noch heute beneidet.

Mit dem Erich änderte sich dann eher der Baustil, nicht aber der Elan. Statt schmucker Prunkbauten entstanden gute sozialistische Plattenbauten – nicht immer schön aber zweckvoll. Und dann kam die Wende. Und mit ihr einhergehend die blühenden Landschaften. Naja und man kann meckern wie man will, aber zumindest Sachsen (besonders Leipzig und Dresden) haben einen gewissen Aufschwung verspürt. Und es wurde weiter gebaut. Das bekannte “Silicon Saxony” entstand. Nur in städtischer Regie ging kaum mehr etwas. Denn was das bauen anging, war man sich im Dresdner Stadtrat schon sehr bald sehr uneins. Und aus dem Rathaus mit seiner goldenen Pforte wurde eher ein Dorftheater mit Selbstdarstellern…

Exemplarisch dafür kann man viele Bauten anführen – betrachten wollen wir mal 2 davon. Nicht weil sie bisher ein HappyEnd haben, was wir ja alle immer so gerne sehen. Sondern weil sie sogar mittlerweile in der ganzen Nation bekannt sind. Die berühmte Waldschlößchenbrücke zu Dresden sowie das Fußballstadion. Beide eng verbunden mit großem Anspruchsdenken und engstirnigen Verhalten.

Irgendwann merkte ein schlauer Mensch (oder auch mehrere), dass in Dresden recht viel Verkehr ist. Und da vor allem das weltbekannte (ja damit haben wir es hier ein bissl) Blaue Wunder auf lange Sicht nicht mehr für den Verkehr zu gebrauchen ist, könnte man mal eine neue Elbüberquerung gebrauchen. Also fing man an mit Planungen über Ort und Art einer Brücke. Und man plante und plante und stritt was nun besser sei – Tunnel oder Brücke. Schließlich hat ja auch unsere Partnerstadt einen Elbtunnel. Da muß man ja mithalten. Und so verschleuderte man Millionen in der Planung. Immerhin – man entschied sich gegen einen Tunnel. Ob aber eine Brücke gebaut werden sollte, konnte man sich auch nach mehreren Jahren nicht einigen. Also rief man den Bürger zum Entscheid – Brücke ja oder nein. Hat ja bei der Autobahn A17 ( ja die ist gebaut) auch geklappt. Praktisch, wie der Dresdner so ist, entschied er sich wiederum für ja. Fein. Können wir ja loslegen ?!

Nicht in Dresden. Mittlerweile hatte man ja für das Elbtal bei Dresden den Weltkulturerbetitel der UNESCO erhalten. Dafür kann man sich nix kaufen, klingt aber trotzdem gut. Und da darf man nicht bauen, was der UNESCO nicht gefällt. Und da diese Gefahr beim Bürgerentscheid ja nicht bestand, ist der ja eh hinfällig … Und was interessieren mich als Politiker überhaupt die Bürger, wenn nicht grad Wahl ist. Also klagt man sich lieber durch alle Gerichtsinstanzen, statt den Willen des Volkes umzusetzen. Und weil auch das Gericht das nicht versteht und die Klagen abweist, steht man nun da. Ohne Brücke. Eventuell ohne Titel. Und was macht da der schlaue Dresdner Politiker? Er fängt mal wieder mit dem Planen an. Ging die letzten 10 Jahre ja auch gut. Und kostet weniger Millionen als ein Bau. Ach ja und wenn das schief geht, hat man vorsorglich schonmal ein paar seltene zu schützende Tiere entdeckt… Es bleibt also spannend.

Nun schließen wir mal den Bogen zu dem schlauen Mann aus Senftenberg. Dieser ist seines Zeichens Hauptgeschäftsführer des “erfolgreichsten” ansässigen Fußballvereines. Und da dieser in einem Stadion einer Ruine aus den 50ern (mit Wurzeln aus den 20ern) seine Heimspiele austrägt, hat der Herr aus Senftenberg Probleme mit dem DFB. Dieser will die Spiele da nämlich verbieten. Also drängt er darauf (inklusive seiner nicht ganz wenigen Gefolgsleute und potentiellen Wählern) auf ein neues Stadion. Wer glaubt, dass sei eine neue Angelegenheit irrt – denn wir sind ja in Dresden. Schon nach der angesprochenen Wende wollte man in Dresden nämlich ein neues Stadion bauen. Damals war man sogar noch etwas erfolgreicher im Fußball. Aber da der damalige Oberbürgermeister lieber in die Oper ging und Schach sah, verwarf man die teuren Planungen einfach – bloß gut, dass der Fußballverein ja eh abstieg… Allerdings gab es dann von besagtem OB schlaue Parteifreunde, die sich ihr Nest bei einem anderen Verein (dummerweise ohne Fans, allerdings nicht mit weniger Tradition) bauten und sich eine schöne Lobby einrichteten. Der Verein ist nun zwar bedeutungslos – die Politiker gibt es noch immer. Und denen ist der nette Mensch aus Senftenberg und seine Anhänger ein Dorn im Auge. Und der ungeheuerliche Wunsch nach einem Stadion auch. Also tut man mal alles dagegen. Da werden Gegengutachten eingereicht, Behörden gebremst und Ämter kontrolliert. Alles im Namen des Fraktionszwangs. Und während Dresden immer weiter in der Bedeutungslosigkeit versinkt, spielen andere Ostdeutsche Vereine dank Unterstützung ihrer Städte im Profifußball. Die haben dafür kein Weltkulturerbe. Schreiben aber wenigstens positive Schlagzeilen – aber wer will das schon. Die Dresdner nicht – die schicken zur Not ihre Sportler noch nach Tschechien statt ein Stadion zu bauen…

Und während Leipzig rauschende Fester vor der Weltpresse bei der Fußball-WM feierte, richtete Dresden vor kurzem die Schach-EM und Olympiade aus. Das ist zwar auch ein Großereignis – viel gesehen hat davon aber keiner was.

Kurz und gut – Dresden ist anders ….

PS: Falls ein findiger Leser es bis hier ausgehalten hat und anmerkt, dass wir ja die Frauenkirche wieder aufgebaut haben – da hat der liebe Stadtrat herzlich wenig zu getan. Denn die wurde durch Spenden finanziert. Aber profilieren kann man sich als Politiker bei der Weihung bei so etwas natürlich immer besonders gut. Ebenso wie bei einer Brücke, Operette, Stadion, Kulturpalast und anderen Sachen, die schon lange stehen sollten ….

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written by Benny
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